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Stimme

Die Stimme ist unsere Möglichkeit, mit der Umwelt in Kontakt zu treten. Bei uns ist es da etwas komplizierter als bei den meisten andere Menschen, die einfach drauf los reden können: Abgesehen von Spironolacton, das in seltenen Fällen wohl eine permanente Stimmerhöhung bewirkt, helfen weder Östrogene noch Antiandrogene beim Entwickeln einer weiblichen Stimme. Während Transmänner also nur die Wirkung des Testosterons abwarten müssen, sollten wir, da eine männliche Stimme selbst bei weiblichem Erscheinungsbild aber fast zwangsläufig ein Outing bedeutet, eine weibliche Stimme zu entwickeln. Hierzu gibt es verschiedene Methoden.

Betrachten wir aber zunächst einmal die

männliche und die weibliche Stimme im Vergleich.

Es ist falsch zu versuchen, die Stimmhöhe zu erhöhen: Tatsächlich ist die männliche Stimme nicht viel tiefer als die weibliche Stimme. Was aber stimmt: Die männliche Stimme hat ein breiteres Spektrum an verschiedenen Tonhöhen die in Kombination dann männlich klingen. Ziel muss es also sein, die tiefen Tonhöhen im Spektrum nicht mehr zu nutzen, sodass nur die weiblich klingenden übrig bleiben. Der Stimmumfang sollte hierbei einen Zielwert bei 175 - 220 Hz haben.


Selbsttraining

Ohne das Haus zu verlassen, kann man seine Stimme tatsächlich schon trainieren. Im Internet habe ich gelesen, man soll beim Falsetto beginnen (also mit der höchsten Micky Maus Stimme die ihr könnt) und dann langsam tiefer werden. Die Stimme die dabei gefunden wird, enthält ein geringeres Spektrum an Tonhöhen und klingt deutlich weiblicher. Wenn ihr die Stimme regelmäßig benutzt, werdet ihr sie problemlos im Alltag anwenden können. Leider reicht sie bei mir zwar für den Alltag, ist aber nicht gut genug fürs Telefon. Zu gegebener Zeit werde ich hier ein Video hochladen, dass den Vergleich mal deutlich macht. Für den jetzigen Zeitpunkt verzichte ich darauf und zeige stattdessen den Unterschied nur grafisch.

Links seht ihr meine alte Stimme, rechts meine Neue. Ihr seht, dass rechts die Frequenzen die nicht auf der untersten Linie liegen (das ist die Stimme die wir nutzen wollen), deutlich reduziert sind. Ich arbeite natürlich weiter an meiner Stimme, um das Ergebnis perfekt zu machen. [Stand 16.12.2012]

Logopädie

Einige (leider wenige) Logopäden sind inzwischen in der Sprachtherapie bei Mann-zu-Frau-Transsexuellen bewandert und können eine sehr effektive Möglichkeit bieten, seine Stimme weiblicher zu gestalten. Da Logopäden den Stimmapparat und Möglichkeiten des Trainings bestens kennen ist ein begleitetes Stimmtraining durch einen Logopäden mit Sicherheit eine sehr effektive Methode, seine Stimme weiblicher zu gestalten.

Stimmband - OP

Hier mehr lesen.

Die Stimme machts nicht alleine

Wie ihr euch denken könnt, ist die stimme aber nicht alleine dafür verantwortlich, wie wir beim Sprechen eingeschätzt werden. Körpersprache und Mimik sollten stimmig sein, doch auch eine weiblichere Wortwahl und Sprechstil verbessert das Gesamtbild. So sprechen Frauen im Allgemeinen weniger klar als Männer aus, was sie meinen. Es wird öfter relativiert (vielleicht, könnte, ...). Außerdem richtet sich der Sprachstil natürlich nach den Rollenbildern. Als Frau begegnet man Männern natürlich anders, als man Ihnen früher als Mann begegnet ist. Während sich diese Dinge meiner Meinung nach automaticsh nach und nach anpassen (was ich auch an mir selbst beobachte), wenn man sich selbst mit dem weiblichen Rollenverständnis identifiziert, gibt es andere Sachen, die auch wieder Training erfordern:

Stimmdynamik

Männer betonen etwas, indem sie die Lautstärke verändern. Frauen betonen etwas, indem sie die Tonhöhe verändern. Grade diese Umstellung ist ziemlich schwierig im Selbstlernen zu bewältigen, sodass ich mich hierfür auf jeden Fall noch auf die Logopädie freue.


Mehr Informationen

Da ich leider in den Feinheiten der Stimmbildung noch nicht allzu bewandert bin und weil es sicher ganz hilfreich für Euch ist, hier ein Link zu einem PDF Dokument, wo Methodiken zur Stimmbildung bei Mann zu Frau Transsexuellen dargestellt werden. Viel Spaß!

Weitere Seiten zum Thema Stimme in meinem Blog:
[28.01.2013] Stimme am 28.01.2013

Kommentare:

  1. Hallo Nina,

    sehr schöner und wichtiger Beitrag. Viele TF unterschätzen zunächst die Rolle der Stimme und fangen die Logopädie zu spät an.

    In einem Detail bin ich anderer Meinung als du, nämlich beim Vergleich der männlichen und weiblichen Stimme, schau mal in diesen Artikel von mir, wenn du etwas nach unten scrollst findest du ein Diagramm wo männlicher und weiblicher Bereich eingezeichnet sind und auch der Stimmumfang den ich anfänglich hatte.

    Ziel einer Logopädie ist nun nach oben hin zu hohen Tönen anzubauen, ohne das unten zu verlieren. Nach erfolgreicher Ausbildung haben Transfrauen nicht nur eine weibliche Stimme sondern sogar einen grösseren Stimmumfang, denn die männlichen Teile sind nicht weg (ginge durch Training gar nicht), aber werden nur nicht mehr genutzt.

    Und in der Tat, die weibliche Sprache hängt viel mehr an der Betonung und dem Klangwechsel bei Vokalen als nur an der Höhe.

    LG Corinna ;)

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  2. Ich konnte durch Logopädie meine Stimme um eine Oktave anheben. Inzwischen habe ich auch viel mehr Prosodie, und nicht's mehr erinnert an die einst "männlichen Brummellaute" ;)

    Aber: Von allein klappt’s nicht! Also, üben, üben, üben..

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  3. Hier mal ein Beispiel was gutes Stimmtraining bewirken kann:
    http://www.youtube.com/watch?v=a02_j7PGTPI

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    1. Ihre Ausgangsstimmlage war bereits nahezu androgyn. Das habe ich nun schon oft gesehen. "Es geht doch einfach mit etwas Stimmtraining" - wenn man dann schaut wer das sagt, zu 90% sind es Frauen die bereits eher im oberen Bereich der "männlichen Stimmlage" waren.

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  4. Ich finde deine Stimme so wie sie ist schon sehr fraulich und eigentlich vom Klang sogar richtig wunderschön. Ich hab ja dein Youtube Video angesehen. Bitte überdenke das mit der Stimmband OP nochmal. Es kann natürlich gut gehen, aber was ist wenn was schiefläuft und deine Stimme später viel schlechter ist? Du hast doch eine so schöne Stimme die ich selbst sogar schon als perfekt bezeichnen würde, daß es einfach nur traurig wäre eben diese aufs Spiel zu setzen für kleinste Fitzelchen von Nuancen die du da noch haben möchtest. Der Verlust wäre doch wahrlich größer als der Gewinn den du dabei haben kannst. Ich habe von zwei Transfrauen gelesen im Web und die hatten eine Stimmband OP und es hat ihnen nicht geholfen. Eine sprach sogar von Klangproblemen und davon, daß sie es noch schwerer gehabt hätte ihre Stimme zu kontrollieren. Du hast echt viel zu verlieren und bist doch im Grunde schon so toll, da würde ich wirklich überlegen vielleicht mit der Stimme so zufrieden zu sein. Also ich fand jedenfalls im Youtube Video daß deine Stimme supi klang :3
    Bitte pass auf dich auf Nina ._.

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  5. wirklich sehr interessant der beitrag ^^

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  6. Hallo Nina,
    ich schreibe hier als "Anonym" weil ich nicht weiß, wie ich hier einen Namen auswählen kann. Schande über mich, ich bin im IT-Bereich tätig, ich müsste so etwas wissen :-)
    Na egal. mein Name sei Max Gliefort und ich schreibe zum Hobby Geschichten über Crossdressing, Transidentität und Homoerotik. Ich selber bin ja so was von hetero, aber das Thema macht mir einfach Freude. Meine Geschichten drehen sich natürlich um das "eine" um Sex, aaaaber, es steckt auch eine Geschichte dahinter.
    Warum schreibe ich Dir, nun, ich habe mir das Video angesehen und muss sagen das es mir gefällt, es ist so schön zu sehen wie Du immer näher an Dein wahres Ich herankommst. Man kann fast nachempfinden wie glücklich Du bist, Deine Augen leuchten aus dem Monitor heraus.

    Ich möchte etwas zu Stimme sagen. Das ist wirklich eine Sache die sehr wichtig ist. Frauen sprechen anders als Männer, ich meine da nicht nur die Tonhöhe. In einer meiner Geschichten werden bei einem Protagonisten, die Stimmbänder gestrafft, sie werden allerdings nicht verödet oder gekürzt, sondern sie werden zusammengenäht. Durch diesen Eingriff straffen sie sich, es wird eine sogenannte Glottoplastik durchgeführt.
    Meine Prota bekam dadurch eine Stimme die noch eine Nuance tiefer war als die von Tanita Tikaram.
    Natürlich ist das im Buch immer sehr einfach zu beschreiben. Im realen Leben ist es um vieles schwerer, zumal solche Op’s meist selber finanziert werden müssen.

    Ich wünsche Die auf Deinem Weg alles Gute und das Du all Deine Ziele erreichen wirst. Du wirst häufig um Dein Glück kämpfen müssen, aber lasse Dich nicht von Deinem Weg abbringen.
    Viele liebe Grüße, Max Gliefort

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